Fragen und Antworten (FAQ) zur Dissektion

Wie wird die Dissektion festgestellt?

Wann hatten Sie Ihre letzte Untersuchung der Aorta? In den letzten Monaten? Dann sind Sie bereits mitten im Thema. Noch nie? Dann gehören Sie zu den allermeisten Patienten, die - vielleicht - diese tickende Zeitbombe in sich tragen, es aber nicht wissen. Das Problem: Es gibt in den meisten Fällen keine Symptome und keine Beschwerden, wenn die Aorta sich ausdehnt und zu einem Aneurysma heranwächst.

 

Die Untersuchungsmöglichkeiten sind aufwändig, es muss ein konkreter Verdacht bestehen, wenn nach einem Aneurysma gefahndet wird. Schluckecho, CT und MRT mit Kontrastmittel sind die geeigneten Diagnosemittel. Eine normal übliche Ultraschalluntersuchung genügt nicht.

 

Leider wird die Diagnose immer noch oft zu spät gestellt. Pro Stunde steigt jedoch signifikant die Gefahr, daran zu versterben.


Welches Risiko hat welcher Durchmesser eines Aneurysmas?

Aortenaneurysmen zeigen selten Symptome - sind aber mit steigendem Durchmesser eine unmittelbare Gefahr.

 

Rupturrisko Aorta
Rupturrisiko in Abhängigkeit vom Durchmesser des Aneurysmas (Quelle: Operative und interventionelle Gefäßmedizin, Springer 2012)

Wer das erste Mal mit dem Thema Aortendissektion konfrontiert wird, ist vermutlich zuerst einmal fast erschlagen von der Fülle an Informationen. Das geht vielen Patienten so. Schließlich sind Aortendissektionen nicht so bekannt und verbreitet wie z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall und Sepsis.

 

Dennoch sind sie eng mit diesen Themen verbunden und keineswegs weniger bedrohlich. Je früher eine drohende Dissektion entdeckt wird, desto besser die Prognose. Der Verfasser dieser Zeilen hatte erst Wochen nach dem Ereignis ein Verständnis für die Krankheit entwickelt. Unter einem Herzinfarkt können die meisten etwas verstehen. Was aber eine Aortendissektion ist - dazu braucht es mehr Informationen. In Hinblick auf Sterblichkeit, Komplikationsrisiko und Langzeitfolgen ist die Aortendissektion meist deutlich riskanter als ein Herzinfarkt.

 

Besondere Herausforderungen ergeben sich außerdem durch chronische Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom, das Ehlers-Danlos-Syndrom, das Loeys-Dietz-Syndrom und die Bikuspide Aortenklappe.

Symptome einer Dissektion und ihre Behandlungschancen

Reales Fallbeispiel eines Patienten vom Symptom bis zur OP

Dieses Fallbeispiel von Nikolaus Kahlen zeigt, dass selbst im Krankenhaus die Aortendissektion nicht immer sofort erkannt wird. Mit jeder Stunde steigt das Risiko zu versterben. Äußerlich wird oft nur ein niedriger Blutdruck festgestellt. Innerlich spaltet sich die Schlagader auf und droht zu platzen. Leider schaffen es viele Patienten oft nicht rechtzeitig in die fachlich geeignete Klinik. Die Sterblichkeit liegt bei 40 (!) Prozent. Das Fallbeispiel dieses Patienten zeigt, dass oftmals auch viel Glück eine wichtige Rolle spielt. Die Operation in diesem Fall war sehr aufwändig, weil lange Strecken der Schlagader durch Implantate ersetzt werden mussten. Es gab jedoch keine medizinisch sinnvolle Alternative. Lediglich bei Dissektionen vom Typ B wird mitunter auf eine OP verzichtet und medikamentör behandelt. Das war hier nicht möglich.

Welche Komplikationen können nach der OP auftreten?

In selten Fällen (unter 5%) können sich Implantate entzünden (Aortitis). In diesem seltenen, aber gefährlichen Fall kommt es zu hohen Entzündungswerten (CRP-Wert über 100) und im weiteren Fortgang zu einer Blutvergiftung. Grund sind Erreger, die sich mit Blut dem Blut im ganzen Körper verteilen. Ein typisches Symptom zu Beginn der Infektion: Schwankendes Fieber (z. B. regelmäßig hohes Fieber und Schüttelfrost abends, was aber tagsüber zurück geht, um dann abends wieder zu steigen). Eine radioaktive Diagnose durch ein PET CT (oder neuerdings auch PET MRT) zeigt Entzündungen des umliegenden Gewebes. Da eine Prothese künstlich ist, können sich Bakterien dort absiedeln und vermehren. Das körpereigene Immunsystem erreicht sie dort hingegen nicht.

 

In den allermeisten Fällen wird - wie hier im Fallbeispiel gezeigt - das Implantat ausgetauscht. So auch die Empfehlung der LMU München, die dazu ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen hat. Allerdings ist die OP und der Austausch von Implantaten hochriskant. Insofern ist auch eine medikamentöre Behandlung zu erwägen. Der Verfasser dieser Zeilen wurde vor knapp drei Jahren über sechs Wochen lang stationär mit Reserveantibiotika (i.v.) behandelt. Eine Re-Operation erschien hier zu riskant. Wenn allerdings der Entzündungsherd klar identifiziert ist und durch ein defektes Implantat Eintrittspforten existieren, dann muss operiert werden, wie dieses Beispiel eindrucksvoll zeigt.

 

Noch einmal muss betont werden, dass diese Art von Komplikationen extrem selten sind.

Welche OP-Technik kommt bei der BAUCH-Aorta zum Einsatz?

Aneurysmen unter 5 cm werden meistens erst einmal beobachtet, wenn keine weiteren Risikofaktoren auftreten. Befindet sich die Gefäßerweiterung in der Bauchaorta, kann mitunter ein Stent gesetzt werden, es muss also nicht offen operiert werden. Das Beispiel zeigt das mögliche Vorgehen bei einem Bauchaneurysma. Welche OP-Technik im konkreten Fall zum Einsatz kommt, muss anhand der individuellen Voraussetzungen geprüft werden. Auch die Expertise des medizinischen Personals spielt dabei eine Rolle. Grundsätzlich zeigt die Erfahrung vieler Patienten, dass Kompetenzzentren und Herzzentren mit der entsprechenden Spezialisierung bessere Erfolge vorlegen kann als Häuser mit weniger Routine in diesem speziellen Krankheitsfall. Mitunter lohnt sich eine zweite Meinung.